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Das Touristische Geländefahren entwickelte sich in der 2. Hälfte der fünfziger Jahre aus dem im Deutschen Radsport-Verband der DDR (DRSV) organisierten Radwandersport heraus. Diese Disziplin forderte Radbeherrschung, Umgang mit Karte und Kompass, botanische Kenntnisse, Kenntnisse der Ersten Hilfe, der Fahrradreparatur, enthielt aber auch vormilitärische Elemente (Keulenzielwurf, Bewältigung der Eskaladierwand etc.). Getragen war die Entwicklung zum einen aus dem Gedanken heraus, dem Radwandern durch Ergänzen einer leistungsorientierten Komponente mehr Anreiz zu verschaffen, aber auch auf Grund vorhandener internationaler radtouristischer Entwicklungen und Aktivitäten in diesem Bereich u.a. aus Frankreich, Belgien und Polen. So gab es Kontaktaufnahmen zu den betreffenden Gremien dieser Länder unter Leitung des damaligen Vorsitzenden des Fachausschusses Radwandersport des DRSV, Arndt Wiese.
Prägendes sportliches Ereignis aus dieser Zeit dürfte wohl die Teilnahme einer DDR-Auswahl 1958 in Zakopane/Polen sein, die sich dort mit beachtenswerten Erfolgen den übrigen teilnehmenden Nationen präsentierte. In dieser Zeit entwickelte sich auch der erste Name der Sportart: Touristisches Geländefahren; Namen von Aktiven wie Hans Cyrus und Klaus Wilke aus Halle stehen für diese Zeit.
Der Grundgedanke nahm Form an, aus den Reihen der Radwandersportler einen aktiven Stamm von touristischen Geländefahrern zu entwickeln. Vorteilhaft war, die Sportart an den damals zahlenmäßig stark präsenten aktiven Radwandersport anzubinden, mit seinen Veranstaltungen regelrecht zu verknüpfen. Bis weit in die 60-er Jahre hielt sich beispielsweise der "Brauch", dass die Geländefahrer an den Sternfahrten, den Langstrecken-Radwanderungen, Rallye's und an den dafür ausgeschriebenen Weit- und Meistbeteiligungspreisen teilnahmen und nicht selten gewannen. Nicht selten wechselten aber auch Straßen-Rennsportler zum Geländefahren. Ein Beispiel dafür ist Martin Naumann, der mit seiner Mannschaft in den fünfziger Jahren in Budapest Studenten-Weltmeister im Straßen-Rennsport wurde, Anfang der sechziger zum Geländefahren kam und erfolgreich war, und heute durch seine, gemeinsam mit seiner Frau unternommenen Langstrecken-Radwanderungen in Übersee Beachtliches leistet.
Bereits 1957 wurde es möglich, eine Deutsche Meisterschaft unter Schirmherrschaft des DRSV mit einem beachtlichen Teilnehmerfeld zu veranstalten. Die positive Entwicklung im Orientierungs-Radsport wurde aber auch durch die sehr progressiv verlaufende Entwicklung des Orientierungslaufs stimuliert. Dieser Sportart gelang in der DDR schon in den fünfziger Jahren der internationale Anschluss an die IOF, diese schaffte es in den 60-er Jahren die Weltmeisterschaft in die DDR zu holen und eine gewisse Breitenbewegung zu entwickeln. Diese starke Internationalisierung und Breitenentwicklung gelang dem touristischen Geländefahren damals nicht. Aber der permanente Anreiz durch die andere Sportart führte immer wieder zu starken Impulsen, nie aber zu einem Konkurrenzverhalten zwischen den beiden Verbänden.
Mitte der 60-er Jahre kam es unter Federführung von Herbert Kirschner aus Crimmitschau, Hans Schütze aus Werdau und Gerhard Rohr aus Leipzig zu einer starken Überarbeitung der Wettkampfbestimmungen, um zu einem zügigeren Wettkampfablauf zu kommen. Wettkampfelemente wie Postenermittlung durch Marschrichtungszahl, Prüfung botanischer Kenntnisse, Erste Hilfe, Fahrradreparatur und endlich auch vormilitärische Aufgaben wurden gestrichen und härtere Wettkampfregeln eingeführt. Ebenfalls in dieser Zeit kam es unter Federführung von Dr. Rudi Lorenz, der gleichzeitig ein herausragender Aktiver war, zur Einführung des Ranglisten-Systems, das bis auf den heutigen Tag lückenlos geführt wird. Auf diese Zeit geht auch der Name dieser Radsport-Disziplin zurück, der für die nächsten 30 Jahre Richtschnur war: Gelände-Orientierungsfahren (GOF).
Diese Zeit ist auch geprägt durch eine positive Konstruktivität in der Zusammenarbeit zwischen Radwandersport und GOF. Als Beispiele dafür stehen nicht nur repräsentative GOF-Veranstaltungen mit Teilnehmern aus Polen und der Tschechoslowakei und Wettkämpfen in diesen Ländern, sondern auch die Teilnahme von GOF-Sportlern an Auslandsradwanderungen in viele sozialistische Länder Europas. Das Tor zum "Westen" aber bleibt den GOF-Sportlern bis zur friedlichen Revolution in der DDR verschlossen.
Die siebziger Jahre bringen eine Konsolidierung der Sportart GOF und eine Veränderung im eingesetzten Wettkampf-Kartenmaterial. Waren es bis dahin entweder Original-Messtischblätter oder später Sepia-Braun-Pausen und Schwarz-Weiß-Aussschnitts-Kopien, alle im Maßstab 1:25.000, so kamen nun über den Orientierungslauf spezielle farbige Orientierungslauf-Blätter mit wesentlich größeren Maßstäben 1:15.000 oder 1:10.000 zum Einsatz. Damit war zum einen eine wesentlich exaktere Arbeit bei der Streckenlegung möglich, hatte aber zum anderen die Konsequenz, dass die Anforderungen an das Orientierungsvermögen stiegen.
Durch die wettkampforientierte Qualität des GOF-Sports kommt es in den siebziger Jahren auf zentraler Ebene zunehmend zu Interessenkonflikten zwischen Radwandersport und GOF, was zur Bildung des eigenständigen Fachausschusses Gelände-Orientierungsfahren beim DRSV der DDR unter Leitung von Dr. Rudi Lorenz mündet.
Dieses eigenständige Weiterarbeiten führte zu keinerlei Einbrüchen im GOF-Sportbetrieb: Die Sportler und Funktionäre waren motiviert und fachlich gut ausgebildet. Dies fand seine Würdigung durch feste Einordnung des GOF-Sports in den Bereich "Büro II" des DRSV der DDR und damit der Zuweisung eines jährlichen finanziellen Etats, der eine planmäßige Sportarbeit ermöglichte.
Aber ein wichtiger Schritt gelang den GOF-Sportlern immer noch nicht: der Anschluss an "den Rest der Welt". GOF war keine Weltmeister- und keine olympische Sportart. Daraus erwuchsen zunehmend auch Probleme zum Beispiel beim Material. Man fuhr Rennmaschine mit Schlauchreifen und Verschleiß bei einer Gelände-Sportart ist nun einmal Normalität. Aber es gab zunehmend kein Material, insbesondere keine Schlauchreifen mehr! Man musste schon über gute Beziehungen verfügen, um an etwas Material aus dem Etat der Weltmeister- und Olympia-Radsport-Disziplinen heranzukommen.
Das waren wohl die prägenden Probleme der siebziger und achtziger Jahre. Aber von der Sportart lassen wollte doch keiner. Das zeigte das Ende der DDR 1989/1990 mit Deutlichkeit. Viele der aktiven Sportler und Funktionäre wollten den Fortbestand des GOF, trafen Entscheidungen, suchten und fanden Wege, ihre Sportart und den regelmäßigen Sportbetrieb, auch unter geänderten gesellschaftlichen, und was sich noch viel gravierender bemerkbar machte, unter geänderten wirtschaftlichen Vorzeichen, fortzuführen.
10 Jahre nach der friedlichen Revolution im Osten Deutschlands, ist festzustellen, dass es gelang, den Orientierungs-Radsport als geschlossenes Ganzes in den neuen Verband, den Bund Deutscher Radfahrer einzubringen. Die Landesverbände von Sachsen und Sachsen-Anhalt, in denen das GOF traditionell stark präsent ist, taten ihren Teil, dass es weiterging. Aber Federn musste das GOF doch erst einmal lassen. Da wurde eben zunächst, "von Oben" verordnet, aus der DDR-Meisterschaft, nicht etwa eine Deutsche Meisterschaft, sondern eine Ostdeutsche Meisterschaft zu machen, und aus dieser wurde 1996 eine Deutsche Bestenermittlung.
Die Weltoffenheit ist prinzipiell eingetreten. Im Detail gibt es noch viele zu lösende Probleme im GOF-Sport, der sich mit Beginn des Sportjahres 1998, einem internationalen Trend folgend MTBO Mountain Bike Orienteering nennt. Eine unserer wesentlichsten Zielstellungen, Internationalität im Sportbetrieb, steckt nach wie vor in den Kinderschuhen, Starts in der Slowakei, Frankreich, Tschechien, Österreich und Italien gab es; Kontakte zur Schweiz sind in der Anbahnung. Aber die Kontinuität, die Einbindung in internationale Sportart -spezifische Verbände, -Wettkampfsysteme usw. stehen noch aus. Als positiv steht an dieser Stelle die Austragung der ersten Weltmeisterschaften 2002 in Frankreich
Neue Möglichkeiten, dieser Sportart weitere Impulse zu verleihen sind der materiell-technische "kick" des Mountainbikes und das "Feeling" der Gemeinschaft, die es im GOF/MTBO seit eh und je gibt. Dies macht die Sportart zunehmend auch für Orientierungsläufer interessant und schafft zugleich Perspektiven für die Zukunft.
(Gerhard Rohr)

Reinhard Wieland vom Ski Club LaufHarz-MTBO 2001Weltcup Finnland 2001Carsten Ludwig und Frank Lautenbach 2005Staffelsieg Deutschland WM 2005Am PostenStaffel-DM 2006Saisonstart 2007Saisonstart 2007
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